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17.08.2006
Vor 110 Jahren starb das erste Opfer des Autoverkehrs
Fast 40 Millionen Menschen folgten ihm nach

Am 17. August 1896 war die Fußgängerin Bridget Driscoll mit ihrer Tochter in London unterwegs zu einer Tanzveranstaltung im Crystal Palace, als sie von einem Automobil, das der Autohändler Arthur James Edsal steuerte, zu Boden geschleudert wurde und sich tödliche Kopfverletzungen zuzog. Frau Driscoll ist das erste offiziell registrierte Todesopfer durch ein Kfz. Der Richter soll nach Abschluss der Untersuchung gesagt haben:
„Dies darf nie wieder passieren!“

Einem Forschungsprojekt der beiden Verkehrswissenschaftler Klaus Gietinger und
Markus Schmidt zufolge teilten in den darauf folgenden 110 Jahren weltweit beinahe 40 Millionen Straßenbenutzer Bridget Driscolls Schicksal, etwa 1,2 Milliarden wurden durch Kfz verletzt. Doch damit nicht genug: „Nach Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltbank wird sich diese Opferzahl in den nächsten 25 Jahren verdoppeln“, so die Wissenschaftler. „Das ungeheure Wirtschaftswachstum vor allem in Asien führt zu einer explosionsartigen Zunahme des Leichenbergs der Motorisierung.“ Nach konservativen Prognosen werden im Jahr 2030 über 2 Millionen Menschen jährlich auf den Straßen der Welt sterben, ca. 70 Millionen verletzt. 90 % der Opfer sind Fußgänger und Zweiradfahrer.
Der Straßenverkehrsunfall steigt nach diesen Prognosen zur globalen Todesursache Nr. 2 auf. Dann wird kein Krieg so viele Opfer gefordert haben wie der motorisierte Straßenverkehr.
„Von den Toten durch verkehrsbedingten Feinstaub, CO2 und sonstigen Dreck ganz zu schweigen“, so Gietinger. Die beiden Wissenschaftler klagten eine sofortige Verkehrswende ein. „Schärfste Tempolimits auf allen Straßen, die totale Verkehrsberuhigung, Aufhebung der Vorfahrt für Autos, Kostenwahrheit im Straßenverkehr und die Befreiung der Städte vom Kfz könnten hier allein Abhilfe schaffen“, sagte Schmidt. Nur etwa 3 % des Kfz-Verkehrs sei notwendig. Daraus folge: Eine Verkehrsrevolution in der das Kfz bekämpft und Fuß-, Rad und Öffentlicher Verkehr massiv gefördert würde, sei das Gebot der Stunde.
Die Hochmotorisierten Länder und vor allem die EU hätten deutliche Vorbildfunktion.
„Es müsse auch die Frage nach der Verantwortlichkeit gestellt werden“, fuhren beide Wissenschaftler (unmotorisiert) fort.
Alle Dealer dieser Motorisierungs-Sucht sollten vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag angeklagt, die Seuche des motorisierten Individualverkehrs selbst wie AIDS oder die Vogelgrippe bekämpft werden. Das Auto sei ohne Zweifel eine Massenvernichtungswaffe und müsse von der Staatengemeinschaft wie eine solche geächtet werden. Mit allen Konsequenzen.

Klaus Gietinger Markus Schmidt Verkehrswissenschaftler

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