23.03.2006
Wahlkampfthema Zusatzstraße Praunheim - die Grüne Zweitwagenpartei lenkt ein
Wo der Autoverkehr in Ortschaften seine Duftmarken setzt, macht der moderne, in automobilistischen Kategorien vorausdenkende Bürger gerne den zweiten Schritt vor dem Ersten. Anstatt den Autoverkehr vor Ort schnellstens zu unterbinden, wird lieber jahrelang für die Erweiterung des Autostraßennetzes gekämpft, in der vagen Hoffnung, der Miv werde sich dann freiwillig nach anderswo verziehen. Diese Hoffnung gründet sich darauf, dass die neue Straße für Autofahrer so attraktiv werde, dass sie die Alte links liegen lassen. Und zwar auch wenn die Neue einen gewissen Umweg bedeutet - die sog. Umgehungsstraßen sind ja meist länger. Wenn aber die Zusatzstraße die Autofahrerei attraktiver macht, hat das an den beiden Enden mehr Miv zur Folge. Das Verkehrsverhalten ist nämlich nicht statisch, sondern richtet sich an den sich bietenden Möglichkeiten aus. Warum sonst hätte es das enorme Wachstum des Autoverkehrs gegeben? Für den Frankfurter Nordwesten bedeutet dies konkret: 1. Die Stadtautobahnartige Ludwig Landmann-Straße, an derem nördlichem Ende mehr Menschen nicht weniger dicht an der Straße als im Bereich der Einmündung Heerstraße/Alt Praunheim wohnen, wird noch stärker belastet. 2. Im Bereich des Praunheimer Weges nimmt der Autoverkehr stark zu. 3. Wenn die Zusatzstraße Autoverkehr von der Heerstraße abzieht, wird die Strecke über die Praunheimer Landstraße durch den ganzen Alt-Praunheimer Ortskern für Autofahrten attraktiver. Deshalb, und auch aus Naturschutzgründen, waren die Grünen in Frankfurt und anderswo einmal strikt gegen solche Zusatzstraßen. Doch je älter die selbsternannte „Reformmotor"-Partei wird, desto besser integrieren sich diese Reformisten in die Art Gesellschaft, die sie einst kritisierten. Als der verkehrspolitische Sprecher der CDU in Ffm, Helmut Heuser in der Stadtverordnetenversammlung am 15.12.05 bei der Debatte des Gesamtverkehrsplans zum Grünen-Politiker Lutz Sikorski sagte, „ihr seid insbesondere die Partei der Zweitwagenbesitzer", widersprach Sikorski nicht. Im Gegenteil: „Das Grüne Klientel mit dem Hang zum Zweitauto", so Sikorski, lasse beim Weg in die Innenstadt „das Auto stehen", was beweise, dass „diese Leute denken". Einer von den Grünen in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage zu Folge (siehe: Spiegel 26/04) fahren Grünen-Anhänger etwas öfter Auto als CDUler und gibt es bei der SPD 2,6mal mehr Nichtautofahrer als bei den Grünen. Wenn, wie Sikorski meint, Grüne aber nicht mit dem Auto in die Innenstadt fahren, müssen sie logischerweise außerhalb der Innenstadt umso öfter ihre zwei Wagen bewegen. Zum Beispiel in Frankfurt-Praunheim. Dass die Grünen in Frankfurt am Main entschlossen sind, nach der Wahl um jeden Preis weiter mitzuregieren, ist ein offenenes Geheimnis. Mit dem Einlenken bei der Zusatzstraße Praunheim (siehe: FR und FNP vom 16.3.06) haben sie Verhandlungsmasse für die zukünftige Koalition mit CDU oder SPD. Der Grüne Fraktionschef im Ortsbeirat Hans-Peter Jourdan fordert ein Durchfahrverbot für Schwerlaster, die über die Rosa Luxemburg-Straße ausweichen könnten. Warum sollen das nicht die Pkw auch können?
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